"Es war die Zeit Friedrich des Großen, in der das Wort Nachhaltigkeit zum ersten Mal verwendet wird. Zugegeben: nicht von einem Preußen, sondern von dem sächsischen Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz. Aber wir wissen, dass zur selben Zeit auch in Preußen in der Landwirtschaft genau der gleiche Gedanke vorangetrieben wurde: Nämlich den Ackerboden so zu bewirtschaften, dass die Erträge auch für die nächste Generation sichergestellt werden. Diese Art von Tugend haben wir lange Zeit sträflich vernachlässigt."
Bischof Wolfgang Huber
(Quelle: Text: Aus einem Interview der Wochenzeitung für die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens Nr. 4 vom 22. Januar 2012 "Der Sonntag" mit freundlicher Genehmigung des Verfassers und der Redaktion)
Hans Carl von Carlowitz: Der Erfinder der Nachhaltigkeit
Ulrich Grober
"Sustainable development" - das weltweit diskutierte Umweltkonzept hat eine überraschende Geschichte. Sie führt zurück ins barocke Sachsen: zu Hans Carl von Carlowitz in der Silberstadt Freiberg.
In Freiberg, der alten sächsischen Silberstadt an den Ausläufern des Erzgebirges, hat er die meiste Zeit seines Lebens verbracht. Sein Haus ist noch da und in der Substanz unverändert: ein viergeschossiges Patrizierhaus mit einem schön geschwungenen Renaissancegiebel an der östlichen Seite des Obermarktes.
1690 hat Hans Carl von Carlowitz das Haus gekauft. Er besaß noch ein weiteres Grundstück in der Stadt, außerdem das Rittergut Arnsdorf bei Mittweida, eine Glashütte bei Voigtsdorf, ein Waldrevier im Vogtland und nicht zuletzt einen fürstlich dotierten Posten: Der Edle von Carlowitz war 1677, mit 32 Jahren, zum sächsischen Vizeberghauptmann ernannt worden. 1711 stieg er zum Oberberghauptmann auf, war somit in den letzten Jahren seines Lebens - er starb 1714 - einer der einflussreichsten Männer im Staate August des Starken...